Politik

Wenn Politiker ungewollt arbeitslos werden

Strache im EU Parlament wäre eine Chuzpe

Der Beruf des/der PolitikerIn ist entgegen der landläufigen Meinung ein sehr Anspruchsvoller. Um diese Berufung optimal ausfüllen zu können, braucht es vieles: Charisma, Redekunst, Fach- und Spezialwissen, Organisationstalent, Marketingexpertise, Durchsetzungsfähigkeit und noch vieles mehr. Die Arbeitsbedingungen sind oft anstrengend. Wer mit dem Gedanken spielt in die Politik zu gehen muss sich auf Arbeitstage einstellen, die sehr oft sehr viel länger als 12 Stunden lang sind, freie Wochenenden sind spärlich. Natürlich trifft das sicher nicht auf alle PolitikerInnen zu, wer jedoch im Kreise der Spitzenpolitik mitmischt, kann sich seine Freizeit oft nicht aussuchen. Im Gegenzug bekommt man ein ordentliches Gehalt, Gestaltungsmöglichkeiten und Ruhm – SpitzenpolitikerInnnen kennt man eben.

Wer jedoch „Mist baut“ steht dafür in der Auslage. Das ist eben der Preis den man für den Ruhm bezahlen muss. So geschehen bei Heinz Strache, den die Ibiza Videos nach 14 Jahren an der Spitze der FPÖ zu Fall gebracht haben. Wobei „Mist bauen“ dafür eigentlich eine verniedlichende Beschreibung ist. In die Falle getappt, kann man ihm nun nachweisen das er keine Skrupel hätte, Österreich an russische Oligarchen zu verkaufen und „Zack Zack Zack“ massiv in die Pressefreiheit eingreifen würde. Sein Rücktritt war obligat, würde man meinen. Wie man den Medien entnimmt gibt es nach den geschlagenen EU Wahlen tatsächlich Gerüchte über einen Einzug Straches in das EU Parlament. Seine Frau Phillipa unterstützt dies auch in einem Interview mit dem Magazin „News“. Man kann sich schon die Frage stellen, was eigentlich passieren muss, das Politiker wie Strache sich entgültig aus der Politik zurückziehen.

Strache im EU Parlament wäre eine Schande und Schmach für Österreich

Gut, er hat über 44.000 Vorzugsstimmen gesammelt. Anderseits muss man auch Bedenken, dass er eben 14 Jahre Parteivorsitzender der FPÖ war. Das er eine treue Wählerschaft hat, liegt auf der Hand. Und er hat es zum Schluss mit dem „Jetzt erst recht“ Wahlkampf auch darauf ankommen lassen. Sollte er wirklich in das EU Parlament einziehen, wäre das eine extreme Unverfrorenheit. Er würde Österreich zum Gespött machen und das zu recht: Es kann nicht sein, das jemand von dem derartige Verfehlungen auf Video im Internet für jedermann einsehbar sind ernsthaft darüber nachdenkt, als EU Abgeordneter Österreich im europäischen Parlament zu repräsentieren. Das er tatsächlich glaubt, auch nur noch einen Cent an Steuergeldern als Gehalt beziehen zu dürfen bestätigt noch einmal wie skrupellos Strache ist. Anstelle von Reue kommt Angriff. Anstelle von Scham kommt Offensive. Das zeigt wie „brainwashed“ Strache schon von der jahrelangen FPÖ Politik zu sein scheint: Egal wie wahr ein Vorwurf ist, wichtig ist lediglich das man einen Gegenangriff startet.

Das Problem arbeitsloser PolitikerInnen

Viele PolitikerInnen tun sich sicherlich schwer mit einem ungewollten Ausscheiden aus der Politik. Man hat sich jahrelang abgerackert und bemüht Bekanntheit und Beliebtheit zu generieren. Hat tausende Sitzungen hinter sich, hunderte Interviews gegeben und sich in so ziemlich allen Lebenslagen die man sich vorstellen kann öffentlich exponiert. Dazu kommt, dass fast allen denen man begegnet einen entweder zustimmen und wohlgesinnt sind oder aber auch ablehnen und nicht selten bösartig mit einem Umgehen. Dazu braucht man noch nicht mal ein Wort gesagt haben. Was also Tun, wenn Politik nicht mehr geht? Nun, dass muss jede/r für sich selbst entscheiden. Manche gehen in die Privatwirtschaft, manche gründen Unternehmen. Wiederum andere verkaufen ihr politisches Insiderwissen als BeraterInnen für Konzerne, aber auch Parteien, welche dieses Wissen gerne anzapfen möchten. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Strache aber ist da anders gestrickt. Strache ist seitdem er 15 Jahre alt war Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft, wurde mit 21 Jahren FPÖ Bezirksrat in Wien-Landstraße und arbeitete sich immer weiter die Partei hoch. Nach 28 Jahren Politik ist er länger in politischen Ämtern als er es in seinem Leben nicht war. Für so einen Berufspolitiker ist es sicherlich sehr schwer einer „normalen“ Arbeit nachzugehen.

Und doch müsste er einen Schlussstrich ziehen, wenn er auch nur einen Funken Anstand hat. Gerade das EU Parlament, dass von íhm ihn zahlreichen Aussagen teils heftig kritisiert wurden, als willkommene Gelegenheit zu nutzen weil es eben gerade passt und er in Österreich von der FPÖ kein Mandat mehr bekommen würde, ist derart heuchlerisch das einem eigentlich keine Vergleiche einfallen. Um im jiddischen zu schreiben: Diese Chuzpe ist sogar für einen Herrn Strache, der viel auf dem Kerbholz hat, zu viel. Viel zu viel.

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