Gesundheit

Katar – ein unsportliches Land als Veranstalter

Artikel vom 15.Oktober erschienen auf Politik_Online: https://politikonlinehome.wpcomstaging.com/2019/10/15/katar-ein-unsportliches-land-als-grossveranstalter/

Wie korrupt sind die großen Sportverbände? Am Beispiel Katar lassen sich Schlussfolgerungen ziehen, die nichts Gutes verheißen.

Sport ist gesund und stärkt den Teamgeist. Einige SportlerInnen schaffen es sogar an die Weltspitze, stellen einen Rekord nach dem anderen auf und messen sich mit ihren Kontrahenten. Voraussetzung für einen Wettkampf ist der faire Umgang von unabhängigen SchiedsrichterInnen mit den TeilnehmerInnen. Was aber, wenn die gesamte Veranstaltung schon mit Korruption zu kämpfen hat, bevor auch nur eine Sprinterin sich zum Start bereit macht? Noch lange bevor Wettlokale Quoten vergeben und Sponsoren um Werbeflächen keilen, findet das große Geschäft mit den weltweiten Sportveranstaltungen statt. Und zwar genau dort, wo es eigentlich nichts verloren hat: In den Entscheidungsgremien der internationalen Sportverbände.

Wer entscheidet was?

Die zwei Veranstaltungen um die es geht sind die Leichtathletik WM 2019 sowie die Fußall WM 2022 – beide finden in Katar statt. Für die Leichtathletik ist die International Association of Athletics Federations zuständig, für den Fußball das FIFA Exekutivkomitee. Bei beiden Veranstaltungen gab es von Anfang an Korruptionsverdacht. Um die Absurdität dieser Entscheidungen zu verstehen, muss man sich das Land Katar vor Augen halten: Katar ist gemessen am BIP pro Kopf das reichste Land der Welt. Es hat aber weder eine sportliche Vergangenheit noch ist das Land selbst für große Sportveranstaltungen geeignet: Es gab kaum Infrastruktur und Katar ein Wüstenstaat: 30 Grad sind keine Seltenheit – um Mitternacht. Ich habe mich schon 2014 im Zuge einer Projektarbeit mit diesem Thema auseinandergesetzt. Conclusio:

„Katar hat im letzten Jahrzehnt sehr hohe Wirtschaftswachstumsraten sowie Bevölkerungszuwächse verzeichnet und viele Ressourcen in Bildung, Infrastruktur und Gesundheit investiert. Das Land hat schlicht zu wenig Einwohner, um den Abbau ihrer natürlichen Ressourcen so schnell wie gewünscht voran zu treiben, deswegen braucht das Land Katar eine hohe Anzahl an Arbeitsmigranten. Diese finden sie vorwiegend im asiatischen Raum. Gelockt werden die meist aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Arbeitskräfte mit falschen Versprechungen zu Lohn- und Wohnbedingungen. Einmal in Katar angekommen, unterliegen sie jedoch dem Kafala Arbeitssystem, das aus diesen Menschen eine rechtslose Ware macht. Dieses System ist Ausdruck einer tiefgreifenden Angst vor Überfremdung und Verlust alter Traditionen, denn die indigenen Kataris machen nur noch ein Fünftel der GesamtbevölkerungKatars aus. Diese Ängste versuchen sie in extrem ungleicher Rechtsprechung zu kompensieren.

Ursprünglich war das Kafala-System ein Schutzmechanismus für Reisende, um deren Sicherheit zugewährleistet. Als man dieses System jedoch auch im Arbeitsrecht eingeführt hat, hebelte manjegliche Schutzfunktion für den nicht katarischen Vertragspartner aus. Die Lebensumstände für die Arbeitsmigranten sind äußerst schlecht und, obwohl es ohne Probleme leistbar wäre, diese auf westliche Standards anzuheben, geschieht dies nicht.

Auch die Nachhaltigkeit des enormen Investitionsvolumens, um die Weltmeisterschaft austragen zu können, ist nicht gegeben. Die Verkehrsinfrastruktur wird zwar erheblich modernisiert, jedoch ist anzunehmen, dass die 9 Stadien nach der Weltmeisterschaft entweder leer stehen oder abgetragen werden. Das Image des Emirates Katar hat jedenfalls starken Schaden durch die mediale Berichterstattung erlitten.“1

Egal von welchem Standpunkt man die Großveranstaltungen in Katar betrachtet: Es gibt politische Gründe wie die Verfolgung von Homosexualität oder die Unterdrückung der Frauen, historische Gründe aufgrund der fehlenden sportlichen Szene, Umwelt schützende Gründe wie die notwendige Klimatisierung ganzer Stadien in einem Wüstenstaat oder moralische Gründe wie die Ausbeutung der Arbeiterschaft sowie die Inkaufnahme von Toten auf den Baustellen, die gegen das Land Katar als Veranstaltungsort sprechen. Aus Sicht der mächtigen Bonzen in den Sportverbandsgremien wischte aber ein Argument jegliche Bedenken vom Tisch: $

Solltest du dich mehr für dieses Thema interessieren, kannst du dich in meiner Projektarbeit zum Thema vertiefen. Diese gibt es für Kindle zum nachlesen oder als Taschenbuch gedruckt.

Kategorien:Gesundheit, Politik

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