Österreich

Geschichte Österreichs Teil I

Ur-österreichische Völker bis 976 n. Chr.

Schon mal von der Provinz Noricum gehört? Sagt dir „Awarenmark“ oder „Karantanien“ etwas? Gratulation, dann bist du ziemlich Geschichtsbewusst! Ehrlich, bevor ich mich mit diesem Text befasste hatte ich keine Ahnung wer aller auf österreichischem Boden siedelte und wer aller Anspruch auf diesen Fleck der Welt erhob. Einzig, dass wir eine enge Verbindung mit den slawischen Völkern haben und diese Uralt sein müsse, war mir klar, aber es ist spannend zu lesen, wie eng diese Verbindung tatsächlich ist. Dieser Blogeintrag nimmt dich mit auf eine Zeitreise in vorchristliche Zeiten und stoppt bei den Babenbergern, welche im nächsten Blogeintrag zu diesem Thema den Startpunkt markieren werden. Los geht`s!

Siedlungsgebiet Ur-Österreich

Die ältesten menschliche Spuren sind über 250.000 Jahre alt. Erste zivilisatorische Ansätze mit klar abgegrenzter Hierarchie innerhalb ihrer Sozialstruktur kann man ca. 800 vor Chr. zuordnen, die sogenannte „Hallstattzeit“. Kennzeichnend für diese Zeit war der Handel mit Eisen in ganz Mitteleuropa, welcher zu neuen Handelswegen und daher auch zu neuen Siedlungsgebieten führte. Das Gebiet um Österreich wurde damals von „alteuropäischen Völkern“ besiedelt, später von den Kelten, welche auch das Gebiet am europäischen Festland von Frankreich über Deutschland bis zum heutigen Polen für sich nutzten und die „alteuropäischen Völker“ nach und nach durch Zuzug von Ostfrankreich und Süddeutschland assimilierten.. Wahrscheinlich wurden in dieser Zeit die ersten Fürstensitze errichtet. Am Übergang zur „Latene-Kultur“ entstanden die ersten Salzabbaugebiete rund um Salzburg und Hallstatt, auch Blei war eine wichtige Handelsware. Die Kelten hatten keine eigene Schriftaufzeichnungen, daher ist man auf antike Texte anderer Kulturen angewiesen, welche über die Völker im Ur-Siedlungsgebiet Österreichs berichteten. Dies tat erstmals der römische Geschichtsschreiber Titus Livius (* wohl 59 v. Chr. in Patavium, dem heutigen Padua; † um 17 n. Chr. ebenda) indem er über ein keltisches Volk berichtete, welche das erste auf diesem Boden als politisches Staatsgebilde zu bezeichnende Regnum Noricum erwähnte. Bedeutende Erneuerungen dieser Zeit waren die Keramik sowie die erste Münzprägung auf österreichisches Staatsgebiet. Diese Entwicklung wurde einerseits durch Münzzahlungen von Alexander dem Großen (Makedonien) an keltische Söldner sowie durch Handelsbeziehungen zu den Völkern im heutigen Italien und Griechenland angetrieben. Vorteilhaft für das Regnum Noricum waren die reichen Rohstoffvorkommen, das im Römischen Reich begehrte „Ferrum Noricum“ (norisches Eisen) reichte gar an die Qualität von heutigem Werkzeugstahl heran. Bedeutende norische Siedlungen entstanden in dieser Zeit im heutigen Katzelsdorf, Hainburg, Altenburg und Guntramsdorf in Niederösterreich, am Leopoldsberg in Wien, am Gründberg und Freiberg in Linz, Eisenstadt und Oberpullendorf in Burgenland, am Plöckenpass und Findenin-Thörl sowie am Magdalensberg in Kärnten, am Schneidjoch in Tirol und dem Kulm bei Weiz in der Steiermark. Eine der ersten großen Römischen Siedlungen war Carnuntum im heutigen Bezirk Bruck an der Leitha. Die Römer waren es auch, die schließlich das gesamte Gebiet südlich der Donau in ihr Reich eingliederten und die keltische Geschichte Österreichs in diesem Gebiet beendete. Das Gebiet nördlich der Donau war infolge dessen Teil der germanischen Frühgeschichte.[1]

Bereits in dieser Zeit – rund um das Jahr 0 – war das heutige Staatsgebiet Österreichs also ein wichtiges Einzugs- und Handelsgebiet für Menschen aus dem gesamten mittel-, nord- und südeuropäischen Raum und stets „heiß“ umkämpft.

Noricum – ca. 200. v Chr. – ca. 600 n. Chr.

Noricum – Das erste Königreich auf österreichischem Boden

Noricum war ein keltisches Königreich unter der Führung des Stammes der Noriker auf einem Großteil des Gebietes des heutigen Österreich sowie angrenzender Gebiete Bayerns (östlich des Inn) und Sloweniens, das später unter der Bezeichnung Provincia Noricum eine Provinz des Römischen Reiches wurde. Die Provinz Noricum grenzte im Süden an Italien, im Osten an Pannonien und im Westen an Raetien. Die „Noriker“ waren im Prinzip „romanisierte Kelten“.

Wie bereits erwähnt, assimilierten die Kelten das Gebiet der hallstattzeitlichen Bevölkerung (Alteuropäische Völker) vom keltischen Kerngebiet (Süddeutschland und Ostfrankreich) aus. Um etwa 200 v. Chr. schlossen sich Stämme Noricums zu diesem ersten Staatsgebiet auf österreichischem Boden zusammen. Acht der 13 Stämme Noricums sind durch die Ausgrabungen auf dem Magdalensberg namentlich bekannt: Alaunen, Ambidraven, Ambilinen, Ambisonten, Laianker, Noriker, Saevaten und Uperaken. Durch verbesserte landwirtschaftliche Anbaumethoden wuchs die Bevölkerung rasch, was jedoch zu einem gewissen Landmangel führte und einen ersten Auszug von Norikern in die Poebene sowie an die Küsten Venetiens nach sich ziehte. Rom hatte ein bedeutendes Interesse am norischen Eisen, Gold und Keramik und so entstanden freundschaftliche Beziehungen zueinander. Vermutlich war das Zentrum Noricums die Siedlung rund um den Magdalensberg (Kärnten), welche später unter Römischer Herrschaft Virunum genannt wurde. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erreichte das Regnum Noricum seine größte Ausdehnung nach Osten und Norden.

Karte vom Regnum Noricum
Abb.1: Hier tiefrot eingezeichnet das „Regnum Noricum“[2]

Immer wieder fielen germanische Stämme im Königreich ein, jedoch ohne Erfolg. Der norische König Voccio verbündete sich mit Julius Cäsar und konnte somit die letzte überregionale Macht der Festlandkelten sichern. Dies gelang ihm bis ins Jahr 15. V Chr. – vermutlich wurde Noricum gewaltlos Teil des Römischen Reiches. Kaiser Augustus sicherte mit dem Alpenfeldzug sein Reich gegen die immer wieder einfallenden „barbarischen Stämme“ ab und auch für Noricum waren diese germanischen Stämme eine immer wieder kehrende Bedrohung. Als zunächst tributpflichtiges Fürstentum besaß Noricum noch teilweise Autonomie, welche schließlich jedoch unter Kaiser Claudius (41 – 54 n. Chr.) vollständig aufgebeben wurde. Von nun an war man Römische Provinz.[3]

Provinz Noricum

Hauptstadt der Provinz Noricum war Virunum im heutigen Kärnten. Noricum umfasste als Provinz ungefähr die heutigen österreichischen Bundesländer Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark sowie den Südosten Bayerns mit dem Chiemgau. Außerdem gehörten Teile Tirols dazu. Südlich befand sich das italienische Kernland, im Norden reichte das keltische Königreich im Gegensatz zur späteren römischen Provinz über die Donau hinaus. Erst unter der Herrschaft Roms bildete die Donau die Grenze des Imperiums und somit auch der Provinz. Unter römischer Herrschaft wurde das Gebiet stark befestigt und war Schauplatz zahlreicher Schlachten. Im 2. Jhd. n Chr. begann sich auch das Christentum allmählich in der Provinz auszubreiten.[4] Konnte sich das römische Reich über Jahrhunderte uneingeschränkt behaupten, zerfiel es jedoch genau so wie andere Großreiche der Menschengeschichte:

„Der Zusammenbruch der römischen Herrschaft in Noricum ist eine Fallstudie dafür, was mit denjenigen Provinzen geschah, in denen die militärische Macht Roms dahinschwand, weil die finanziellen Mittel dafür nicht mehr aufgebracht werden konnten. Die allgemeinen Lebensumstände an der Donaugrenze waren bis zum Ende des 4. Jahrhunderts noch erträglich geblieben, die kontinuierliche Reduzierung der Grenzeinheiten aufgrund ständig aufflammender innerrömischer Auseinandersetzungen oder Abwehrkämpfe gegen die Barbaren brachte die Zivilbevölkerung aber auch ökonomisch immer mehr unter Druck. In den Jahren um 430/431 brach in Noricum wegen der hohen Steuerbelastung ein Aufstand aus, der vom weströmischen Regenten und Heermeister, Aëtius, blutig niedergeschlagen wurde. Der anschließende Verlust der reichen nordafrikanischen Provinzen an die Vandalen unter Geiserich im Jahr 439 zwang Aëtius, den Etat für das Heer zusammenzustreichen und weitere Einheiten von den Grenzen für den Schutz Italiens abzuziehen. Zur Zeit, als das römische Reich noch bestand, wurden die Soldaten vieler Städte für die Bewachung des Limes aus öffentlichen Mitteln besoldet (publicis stipendiis alebantur). Als diese Regelung aufhörte, zerfielen sogleich mit dem Limes auch die militärischen Einheiten.“[5]

Mit dem Ende der römischen Militärmacht im Gebiet Noricums wurde die Sicherheitslage für die Bevölkerung immer prekärer und man zog sich hinter die mauern von Legionslagern und Kastellen zurück. Die Stärke der römischen Garnisonen nahm immer mehr ab und wandelten sich schlussendlich in Bürgerwehren um. Für die Bewachung der Siedlungen vor Eroberern und Plünderern wurden teilweise Germanen als Söldner angeheuert, was wiederum zu weiteren Problemen führte.

„Solche Söldner nutzen ihre Macht oft skrupellos aus, sie stellten bald übertriebene Forderungen an die Bürger und konnten schlussendlich, laut Vita, nur mit göttlichem Beistand, vermittelt durch Severin, wieder aus der Stadt vertrieben werden. Eine andere Passage aus der Severinsvita berichtet von einem Hinterhalt der Garnison von Favianis gegen eine Gruppe Plünderer an einem Flussufer, die niedergemacht wurden und sich dann alles Brauchbare aneigneten. Ihr Tribun Mamertinus zögerte zuerst sich ihnen zu stellen, da er nur wenige kampferprobte Soldaten und kaum Waffen zur Verfügung hatte. Aber Severin erteilte ihnen seinen Segen und ermutigte sie ausdrücklich zu handeln. Diese Geschichte wirft ein markantes Licht auf die erheblichen Schwierigkeiten, die durch den Wegfall der staatlichen Verwaltungs- und Militärorganisation für die Bewohner der Donaugrenze entstanden waren. Um sich überhaupt verteidigen zu können, musste man sich die Ausrüstung offenbar erst vom Feind besorgen“[6]

Nach dem völligen Rückzug des römischen Reiches besetzte 407 n. Chr. eine Armee der Westgoten (die Goten waren ein Ostgermanisches Volk) die gesamte Provinz und forderte diese als Siedlungsland von Rom ein. Als diese ablehnten, stürmten das Heer nach Italien mit Ziel Rom, was ihnen auch gelang. Die Goten verlegten die Hauptstadt der Provinz Noricum nach Teurnia, eine römische Stadt nah an der heutigen Bezirkshauptstadt Spittal in Kärnten.

„Der genaue Zeitpunkt der Verlegung ist unbekannt, sie muss aber vor der ostgotischen Belagerung Tiburnias im Jahr 467 erfolgt sein. König Odoaker befahl 488 den Abzug der kelto-romanischen Bevölkerung aus Noricum Ripense. Entgegen früheren Ansichten wurde dieser Befehl aber nur teilweise befolgt. Namenskontinuität in Toponymen sowie eine Fülle archäologischer Funde belegen eine breite kulturelle Kontinuität über den offiziellen Zusammenbruch der römischen Verwaltung in den norischen Regionen hinaus und verbinden die römische Zeit über die Spätantike mit dem Frühmittelalter. Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches blieben in Binnennoricum Teile der römischen, später ostgotischen Verwaltung noch eine Zeitlang erhalten, bis schließlich die ehemalige Provinz von neuen Bevölkerungsgruppen, Awaren, Slawen und Baiuwaren, besiedelt wurde.“[7] Die Goten konnten schlussendlich zwar die Region erobern, jedoch nie wirklich in ihr Staatsgebiet eingliedern.

Völkerwanderung und Frühmittelalter bis 976 n Chr.

Die prekäre Sicherheitslage, die Ausbreitung von Krankheiten und eine teils desaströse Versorgung mit Lebensmitteln provozierte Überfälle und Plünderungen durch die eigene Bevölkerung, aber auch externer Reiche wie der Goten, der Germanen oder der Hunnen unter Attila, der praktisch das gesamte Gebiet Noricums besetzten. Diese Bedrohungen führten schon ab der Mitte des 4. Jhd. n.Chr. zu einer Jahrzehnte langen einsetzenden Völkerwanderung am gesamten kontinentaleuropäischen Bereich mit enormen Folgen für die Staatsapparate.

„Als 476 der letzten weströmischen Kaiser abgesetzt wurde, blieb in der Provinz wenigstens ein Rest der römischen Verwaltung erhalten, bevor die spätantike Verwaltung in diesem Raum vollständig verschwand. Mit dem Tod des Ostgotenkönigs Theoderich 526 begann auch der Zusammenbruch des Ostgotenreichs in Italien, ohne dass diese die Kontrolle über Noricum erlangt hätten. Ab dem 6. Jahrhundert begann eine kontinuierliche Besiedlung durch die Bajuwaren und im heutigen Vorarlberg durch die Alamannen. Ende des 6. Jahrhunderts zerbrach das römische Reich schließlich. Von Osten zogen die Slawen, durch die Awaren bedrängt, ein und zogen, da sie von der noch verbliebenen keltoromanischen Bevölkerung daran nicht gehindert wurden, entlang der Drau immer weiter nach Westen ein, bis sie um 610 von den Bajuwaren, die zu dieser Zeit von Norden kommend bis ins Pustertal vorgedrungen waren, aufgehalten wurden. Die Besiedlungsgrenze zwischen Slawen und Bajuwaren entspricht in etwa der Linie Freistadt, Linz, Salzburg (Lungau), Osttirol (Lesachtal).“[8]

Im Frühmittelalter war der Raum des heutigen Österreichs politisch zersplittert. Im nördlichen Alpenraum hatte sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts das bairische Stammesherzogtum gebildet, deren Herrscher aus dem Geschlecht der Agilolfinger stammten und unter fränkischer Oberhoheit standen. Das Siedlungsgebiet der „Baiern“ wurde in diesem Zeitraum nach Süden bis ins heutige Südtirol und nach Osten bis zur Enns erweitert.

Östlich davon und auf dem Gebiet des heutigen Böhmens ließen sich Awaren und später Slawen nieder. Im Süden des heutigen Österreich bildeten die slawischen Volksstämme, die sich in den Tälern von Drau, Mur und Save niedergelassen hatten, um das Jahr 600 das erste unabhängige slawische Herrschaftsgebilde Europas, Karantanien; Zentrum Karantaniens war das Zollfeld. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bevölkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den südöstlichen Alpenraum.[9] Die Awaren hingegen stammten ursprünglich aus dem Südrussischen Gebiet und zogen aufgrund des militärischen Drucks der Türken über die die heutige Ukraine in die Pannonische Tiefebene nach Ungarn und Österreich. Somit waren zu dieser Zeit zwei Völker auf dem heutigen österreichischen Staatsgebiet beheimatet.

Karantanien und Awarenmark– ca. 600 n.Chr. – 976 n. Chr.

Karantanien war ein slawisches Fürstentum welches vorwiegend auf dem Gebiet des heutigen Kärntens lag und als erstes, eigenständiges Staatsgebiet aus der Völkerwanderung dieser Zeit hervorging. Für die Geschichte Kärntens, der Steiermark sowie Sloweniens war Karantanien entscheidend. Die Awarenmark erstreckte sich praktisch über das restliche österreichische Staatsgebiet sowie Ungarn und Teile der umliegenden Staaten.

Karte der Awarenmark und Karantanien um  600 n. Chr.
Abb. 2: Karte der „Awarenmark“ sowie „Karantanien“ [10]

Zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerung im heutigen österreichischen Staatsgebiet äußerst heterogen. Es bevölkerten die romanisierten Kelten (Noriker), keltische Stämme, Lombarden, altgermanische Stämme, Goten, Slawen und sogar Franken das Gebiet. Die „Alpenslawen“ genannte slawische Bevölkerung bildeten mit dem Staat Karantanien ein selbstständiges Herrschaftsgebiet mit seinem Zentrum um Karnburg (Krnski) bei Klagenfurt (Celovec) heraus und waren fortan ein „Neustamm“. Die verschiedenen Völker im Gebiet lebten anfangs eher nebeneinander und mit verschiedenen Sprachen, was jedoch sich jedoch zunehmend änderte und homogenisierte. Der slawischen Sprache ist es gelungen, bis zum 8. Jahrhundert andere Spracheigentümlichkeiten in Karantanien zu verdrängen.[11]

Europa um 600
Abb. 3: Karte Europas um 600 n. Chr. mit „Völkerstämmen“[12]

Die Awaren waren sowohl für die Karantanen als auch für die Bayern eine ernst zu nehmende Bedrohung, was sich schlussendlich in konkreten politischen Bündnissen zeigte. Durch die bayerische Expansionspolitik bzw. die (von den Karantanen gewünschte) Politik der Rettung vor den Awaren und die damit allmählich verbundene christliche Missionierung Karantaniens im 8. Jahrhundert kam das Land unter bayerische Oberhoheit. Karantanien kam unter bayerisch-fränkischen Einfluss und verlor in der Folge schrittweise seine Selbständigkeit. Karantanien büßte nur die Eigenständigkeit als selbständiges Fürstentum ein; der Name wurde weiterhin als Landesbezeichnung geführt. Bayern, Franken und Angehörige anderer germanischer Stämme kamen in das Land.[13] Nachdem der fränkische König Karl der Große bis Ende des 8. Jahrhunderts die Awaren im Osten sowie die Langobarden im Süden zurückgedrängt bzw. unterworfen hatte, verleibte er das Herzogtum Bayern seinem Reich ein, und Karantanien wurde wie die Awarenmark zu einer Grenzmark des Frankenreichs. Formal war Karantanien fränkischen Reichsbeamten unterstellt und ab 799 als Teil der Marcha orientalis vom bayerischen Ostlandpräfekten mit Sitz in Lorch an der Enns verwaltet. Die Einsetzung einheimischer Stammesfürsten slawischer Abstammung wurde von diesen jedoch zunächst noch geduldet. Es kam zu mehreren Aufständen gegen die Franken, die jedoch alle fehlschlugen. Ludwig der Fromme schenkte seinem Sohn Ludwig dem Deutschen 843 im Vertrag von Verdun Bayern sowie „die östlichen Marken“.

Karte Aufteilung Vertrag von Verdun
Abb. 4: Aufteilung im Vertrag von Verdun. v.l.n.r.: Reich Karls II, Reich Ludwig der Deutsche, Reich Lothar I. [i]Vgl.: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2c/Vertrag_von_Verdun.svg

Ludwig der Deutsche schenkte die östlichen Marken 861 wiederum seinem Sohn Karlmann, der zwei Jahre später mit seinem Vater diesbezüglich in Streit geriet, weil er seine eigenen Leute in Führungspositionen erhob.

„Sein Vater stellte ihm mit seiner Armee und verhing über ihn eine freie Haft, die er dazu nützte nach Kärnten u fliehen, gewann die Gebiete zurück und wurde schließlich bei der Reichsteilung seines Vaters 865 Herzog des ostfränkischen Teilreichs Bayern und nach dessen Tod 876 ostfränkischer Teilkönig. Sein Sohn Arnulf regierte ab 887 über das Gebiet bis zu seinem Tod 899.

Danach erstarkten die bayerische Fürsten wieder und beherrschten Karantanien bis 976. Während die Awarenmark nach der Niederlage von Pressburg 907 an die Magyaren verloren ging und vernichtet wurde, konnten sich die Bayern unter fränkischer Oberhoheit in der karantanischen Grenzmark halten. Als nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 das niederösterreichische Alpenvorland wieder zurückerobert wurde, und als Mark Ostarrîchi Gestalt annahm, entwickelte sich Karantanien weitgehend unabhängig. Die Grenzen der unter der Herrschaft der Karolinger und ihrer Nachfolger (825–976) zu Bayern gehörenden Mark Karantanien und auch des späteren Herzogtums Kärnten gingen über die Grenzen des alten Fürstentums und ganz besonders weit über jene des heutigen Bundeslandes Kärnten hinaus.

Karantanien wurde 976 durch Kaiser Otto II. zugleich mit der Absetzung des bayerischen Herzogs Heinrich II. des Zänkers vom Herzogtum Bayern abgetrennt und zum Herzogtum Kärnten erhoben. Es war damit das älteste Herzogtum des Heiligen Römischen Reiches innerhalb der heutigen österreichischen Grenzen. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld wurde um 970 erstmals die Karantanische Mark genannt. Diese wurde nach 955 von Karantanien abgespalten; diese Mark an der Mur lag zwischen Kor- und Packalpe und dem Mittellauf der Mur und bildete gemeinsam mit den obersteirischen Grafschaften im Ennstal, um Judenburg, um Leoben und im Mürztal die Keimzelle für die später entstehende Steiermark – der alte Verwaltungssitz an der Enns verlagerte sich von Lorch nach Steyr, und von dieser Stadt hat die Steiermark ihren Namen.“[14]

Der römisch-deutsche Kaiser Otto II. belehnte 976 Luitpold (Leopold) aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark. Diese östliche Mark war Teil des Bayrischen Stammesherzogtums und gilt als Keimzelle des späteren Herzogtums Österreich. Im selben Jahr 976 wurde das Herzogtum Kärnten vom Bayerischen Herzogtum abgetrennt. In einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. von 996 fand der Name Ostarrîchi erstmals Erwähnung.

Bis zur ersten Jahrtausendwende siedelten auf österreichischem Gebiet also romanisierten Kelten (Noriker), keltische Stämme, Lombarden, altgermanische Stämme, Goten, Slawen, Franken, Bayern, Magyaren, etc.. Im Prinzip also sämtliche Völker des europäischen Kontinents. Ein „indigenes Volk“ Österreich hat es nie gegeben. Geschichtlich betrachtet war Österreich immer schon ein Schmelztiegel unterschiedlicher Völker und Kulturen und hat gerade deswegen eine sehr besondere, interessante Geschichte aufzuweisen.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Urgeschichte_%C3%96sterreichs#Hallstattkultur

[2] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Noricum#/media/Datei:Noricum_SPQR.png

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Noricum

[4] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_%C3%96sterreichs#R%C3%B6misches_Reich

[5] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Noricum – Der Zusammenbruch der römischen Herrschaft

[6] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Noricum

[7] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Noricum

[8] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_%C3%96sterreichs#R%C3%B6misches_Reich

[9] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_%C3%96sterreichs#R%C3%B6misches_Reich

[10] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Awarenmark-frankenreich.png

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Karantanien

[12] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Awaren#Awarische_Fr%C3%BChzeit_(bis_561)

[13] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Karantanien

[14] Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Karantanien


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