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Die Partei der Zukunft – Beitrag VI: „Organizing“ als Organisationsprinzip

TIPP! Buchvorstellung am 23. September in Ober-Grafendorf

Eine Zusammenstellung von Auszügen ab Seite 73 bis 79


„It does not matter what you know about anything if you cannot communicate to your people. In that event youare not even a failure. You’re just not there.“

Saul D. Alinsky – US-amerikanischer Soziologe

Die Methode des „Organizing“, oder weiter gedacht des sogenannten „transformativen Organizing“*1, zeichnet sich dadurch aus, dass man „mit“ den Menschen arbeitet, für die man politisch eintritt und nicht „für“ sie. Das ist ein riesiger Unterschied, auch wenn es sich zuerst nicht danach anhört. Natürlich kann man die Methoden des US-amerikanischen Organizing nicht 1:1 auf den europäischen Raum übertragen. Man sollte es so adaptieren, so dass essich hier damit gut arbeiten lässt.

Organizing als Organisationsprinzip bedeutet Veränderung

„Organizing“ an sich ist eine Kommunikationsstrategie, entwickelt vor allem in den US-amerikanischen Gewerkschaften, mit der man seine eigenen Strukturen neu ausrichten kann: Organizing ist auf nachhaltige Mitglieder(ein)bindung, Mitgliederaktivierung, strategische Kommunikation und politischer PR (Public Relations) ausgerichtet und daher für jede Arbeit im Feld „öffentliche Beziehungen“ – im Betrieb, auf der Straße und im medialen Diskurs – hervorragend einsetzbar. *2 Am besten gefällt mir die Definition des „Organizing“ von der Kommunikationsberatungsagentur Kronberger und Partner, die ich nur leicht vom Bezug zu den Gewerkschaften auf die Partei abgeändert habe (Unterstrichen markiert die abgeänderten Worte):

„Organizing“ bedeutet Neuorientierung – auf allen Ebenen. Die Stellvertreterpolitik hat ausgedient, im Organizing dreht sich alles um Mitgliederorientierung, Beteiligungsprinzip und Konfliktbereitschaft. Das fordert Veränderung, Umdenken und eine neue Offenheit innerhalb der Partei – gegen das starre Festhalten an traditionellen Mustern. Das fordert bewusste, dialogisch angelegte Kommunikation – gegen jede abgedroschene Politiker-Rhetorik. Das fordert aktive, professionelle Öffentlichkeitsarbeit – gegen das defensive, ideologische Klagen über „die Medien“. Das fordert den zielgerichteten Einsatz definierter Ressourcen – gegen das Gießkannenprinzip. Das fordert Selbstbewusstsein. und Mut. Organizing verlang also einen hohen Preis – von allen Beteiligten. Doch die Investition wird sich lohnen. Denn ungeachtet aller begrifflichen, strategischen und praktischen Finessen geht es beim Organizing letztlich um die eine, um die große Perspektive: Es geht um den gemeinsamen Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Um den Aufbau aktiver, schlagkräftiger, durchsetzungsfähiger und zukunftsmächtiger Organisationen, die ihre Kämpfe erfolgreich führen. Und gewinnen.

(Kornberger und Partner Kommunikationsberatung, 2008)

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Die Sozialdemokratie als Schutzschirm von Protestbewegungen

Wichtig ist vielleicht noch anzumerken, dass „Organizing“ nichts mit „dirty campaigning“ am Hut hat. Der Eindruck kann nämlich schnell einmal geweckt werden, da es beiv„Organizing“ im Bezug zum „Gegner“ auch darum geht, die politischen Vorgänge – also wer steht für welche konkretevpolitische Haltung; warum wird der Sozialstaat ständig abgebaut und nicht aufgebaut; wer möchte was privatisieren usw., aufzuzeigen. Das ist jedoch ein normaler politischer Vorgang, und man kann man ihn am besten mit Ursache = Wirkung beschreiben.

Es ist völlig legitim, einen neokonservativen Politiker, der sich zum Beispiel für die Entlastung der Reichen durch Steuersenkungen auf Kapital einsetzt, politisch laufend zu attackieren und ihn zur Rede zu stellen.

Stefan Bartl

Nicht legitim ist es jedoch, diesem Politiker Eigenschaften oder Positionen zuzuschreiben, die dieser gar nicht hat oder vertritt. Das wäre dann das klassische „dirty campaigning“ – also das bewusste Schlechtmachen von Personen. Das ist jedenfalls strikt abzulehnen, weil man sich damit selbst und die eigene Organisation möglicherweise massiv schädigt. Und seien wir doch ehrlich: Es gibt genug Positionen und Taten, die wir an neokonservativen oder/und neoliberalen Politiker*innen kritisieren können, „dirty campaigning“ hat niemand notwendig. Viel besser geht es, wenn man auf Tatsachen eingeht, die jede und jeder leicht selbst überprüfen kann!

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Community Organizing

Der Soziologe Saul Alinsky hat in den 1930er Jahren im Slum von Chicago die Idee des „community organizing“ geboren. Die Idee dazu war so simpel wie genial: Er orientierte sich an den Strukturen der Mafia. Der Gedanke
war, dass Netzwerke dann stabil sind, wenn Menschen darin wirken, an denen sich andere orientieren. Was in der „Unterwelt“ der „Pate“ war, war bei Alinsky eine sogenannte Schlüsselperson. Ein erfolgreiches Netzwerk besteht dann aus Schlüsselpersonen verschiedenster Gruppen. Dazu hat er zuerst „nosing around“ betrieben, wie er seine Methode nannte, um Schlüsselpersonen im Quartier zu identifizieren, von denen er dann von den drängendsten Nöten im Quartier erfahren hat. Alinsky hat es geschafft, linke Gewerkschafter, Katholiken und Geschäftsleute an einen Tisch zu bitten, die vorerst nur das gemeinsame Interesse hatten, die grassierende Armut zu
beseitigen.

Um diese Methode effektiv durchzuführen, ist ein langfristiges Management notwendig. Wie eben kurz beschrieben, sollte man sich von dieser Methode keine ultraschnellen Ergebnisse erwarten; Organizing ist viel Arbeit, jedoch eine Form von Arbeit, die politisch denkenden Personen in aller Regel großen Spaß macht, denn man hat alles dabei, um was es in politischer Kampagnenarbeit geht:

• Das analytische Anlegen einer Gesamtstrategie „am
Reisbrett“
• Das in Kontakt treten mit Personen aus dem Umfeld
bzw. der definierten Zielgruppe
• Das intensive Sprechen und Diskutieren mit diesen
Personen
• Das Herausfinden von deren Nöten und Ängsten
• Das Erarbeiten eines gemeinsamen Aktionsplans
und die Setzung klar definierter und erreichbarer
Ziele
• Die „Beschäftigung“ des politischen Gegenübers mit
den eigenen Themen
• Das konkrete Planen, Gestalten und Durchführen von Aktionen im öffentlichen Raum
•Professionelle und konsequente Öffentlichkeitsarbeit
sowie damit einhergehend das „Füttern“ der Medien
mit den eigenen Themen anstelle gekaufter Inhalte
(Stichwort: Inseratenpolitik)
• Das Einbinden von neuen Aktivist*innen sowie das
Reaktivieren passiver Mitglieder
• Die Orientierung an real existierenden und
greifbaren Problemen der Bevölkerung

Um diese Aufgaben zu stemmen, sind jedoch von der Partei Vorbereitungen zu treffen, ohne die es nicht funktionieren wird….. (Weiter geht’s im Buch!)

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1* Vgl. (Mann, 2011)

2* 2 Vgl. (Kornberger und Partner Kommunikationsberatung, 2008) Vorwort


Hast du Lust auf das Buch bekommen?

Das Buch baut auf Zitate, Beiträgen, Studien und Büchern u.a. von folgenden Autor*innen auf:

Arbeiterkammer Sammelbänder und Studien, Atwood Margaret, Brand Ulrich, Bacci Marco, Buchsteiner J., Chomsky Naomi, Feigl Georg, Felber Christian, Flecker Jörg, Hamann Sabine, Holzbauer Irene, Honneth Axel, Kreiml Thomas, Kuba Sylvia, Kreisky Eva, Leitsmüller Heinz, Marx Karl, Mausfeld Rainer, Milborn Corinna, Misik Robert, Mitter Gernot, Niedermoser Karin, Pelinka Anton, Pick Yussi, Prammer Barbara, Rackete Carola, Streissler-Führer Agnes, Wetzel Detlef u.v.m!

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Inhaltsverzeichnis

Über Kommentare, likes und shares würde ich mich sehr freuen!

Nächste Woche veröffentliche ich einen weiteren Artikel! Stay tuned!

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