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Die Partei der Zukunft – Beitrag VII: Unser Wirtschaftssystem zerstört den Planeten, die Demokratie und die Menschheit

Eine Zusammenstellung von Auszügen ab Seite 106 bis 111


„Insgesamt ist all das nicht nur eine dramatische ethische Fehlleistung der Industrie, sondern – schaut man auf die Gefahren des Klimawandels – vermutlich das größte Wirtschaftsverbrechen, das die Menschheit je erlebt hat.“

Wolfgang Pomrehn; Diplomierter Geophysiker und Journalist

Es ist mittlerweile dutzende Male belegt, dass der neoliberale Kapitalismus unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem seit der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts tiefgreifend verändert hat. Er hat die Welt in zwei Gruppen aufgeteilt: In die Kapitalisten – also diejenigen, die Produktionsmittel bzw. heute noch viel wichtiger ausreichend Kapital besitzen, um andere Menschen für sich arbeiten zu lassen – und in die Lohnabhängigen, die ihre Arbeitskraft am Arbeitsmarkt verkaufen müssen, um ihr Leben und das ihrer Familie zu sichern. Dazu ein Zitat von Anselm Lenz, einen deutschen Kulturwissenschafter und Redakteur, auf den ich noch ein paar Mal zu sprechen kommen werde:

(Lentz, 2019) „Innerhalb des Kapitalismus können weder Kapitalisten noch Arbeiter etwas für ihre Position im System; Kapitalisten hätten allenfalls die Möglichkeit, ihr Geld und Eigentum zu verschenken, dann werden sie selbst zu Lohnabhängigen.“

Lentz, 2019, S. 186
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Dieses Wirtschaftssystem beruht – das wissen wir seit der Marx’schen Mehrwerttheorie sehr genau – auf dem Prozess, dass der Kapitalist sich im Arbeitsprozess einen Teil des Wertes des Endprodukt aneignet, dem der oder die Arbeiter*in oder eine Maschine der Ware hinzugefügt hat. Der Prozess lässt sich stark vereinfacht als G – W – G‘ darstellen.*1

Die kapitalistische Produktionsweise; eigene Darstellung

Dieser Vorgang zeigt auch schon das Dilemma der kapitalistischen Wirtschaftsform auf, und dabei muss man gar kein Marxist sein, um es zu verstehen: Abgesehen von der unfairen Entlohnung der arbeitenden Menschen beruht diese Produktionsweise darauf, dass der Kapitalist alle Faktoren möglichst geringhält: Also möglichst billig Rohstoffe und Ressourcen einkauft, möglichst wenig Kosten für den Erbau des Produktionsgebäudes oder die Miete des Produktionsstandorts ausgibt, möglichst wenig für den Ankauf und den Betrieb der Maschinen bezahlt und natürlich einen möglichst geringen Lohn oder Gehalt an die arbeitenden Menschen bezahlen muss, damit er einen möglichst geringen Produktionspreis erzielt. Die Arbeitskraft hat jedoch nicht nur die reinen Lohnkosten hinzugefügt: Die Ware ist nach der Bearbeitung durch die Arbeitskraft viel mehr am Markt wert und diese Differenz kann der Kapitalist als Gewinn abschöpfen. Und damit erklärt sich – wenn man ein wenig weiterdenkt –, warum es keinen „grünen Kapitalismus“ geben kann, denn dieser müsste auf einer nachhaltigen Produktionsweise aufgebaut sein. Dazu schreibt Anselm Lentz:

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„Bei der Nachhaltigkeit wird davon ausgegangen, dass Güter dafür da sind, Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Die Güter müssen sehr lange halten, mit wenig Ressourceneinsatz hergestellt werden und dürfen den Planeten mittel- und langfristig nicht schädigen. Sie müssten deshalb hergestellt werden, ohne dass dabei Profite erwirtschaftet werden können. Denn Profite werden in einem Konkurrenzsystem (Marktwirtschaft) wie dem Kapitalismus nur dann erwirtschaftet, wenn eben möglichst günstig und schnell produziert und Planet und Mensch ausgebeutet werden, ohne dass das eingepreist würde.“

Lentz, 2019, S. 187

Würde man die ökologischen Kosten einpreisen, würden die Produkte entweder massiv teurer oder der Kapitalist hätte weniger/keinen Gewinn. Aber es geht noch weiter, denn der Kapitalismus ist ja auf die Erzielung möglichst hoher Profitraten ausgerichtet und will deswegen auch möglichst viel von der einzelnen Ware produzieren: „Wenn der Wert einer einzelnen Ware sinkt, ist das Kapital daran interessiert, größere Mengen dieser Ware abzusetzen. Wenn Massenware nicht mehr abgesetzt werden kann, bricht der Wirtschaftskreislauf an dieser Stelle zusammen. Der Kapitalismus kann nicht auf Nachhaltigkeit umgestellt werden, ohne zusammenzubrechen. Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit schließen sich somit aus. Nachhaltigkeit bedeutet, Waren nicht immer so herzustellen, dass sie in immer kürzerer Zeit für immer weniger Geld ausgeliefert werden – und möglichst schnell ersetzt werden müsse. Nachhaltigkeit ist in der Wirtschaft das Gegenteil von profitabler Warenwirtschaft. Ein „grüner Kapitalismus“, also eine Marktwirtschaft, die innerhalb bestimmter Grenzen die ökologischen Folgekosten etwa durch Ökosteuern einpreist, ist nicht möglich, weil die Unternehmer anderer kapitalistischer Länder immer dazu neigen werden, günstigere konventionelle Waren zu produzieren und die Waren der teureren „grünen Länder“ im Preis überall zu unterbieten – auch auf deren eigenen Terrain. Die „grünen Länder“ fallen beim Export zurück, können nicht mehr wachsen und brechen schließlich ökonomisch ein, bevor sie überhaupt „grünes Wachstum“ zu Ende buchstabiert haben.“ *2 schreibt Lentz weiter.

Hier wird ein Hauptproblem der neoliberalen Wirtschaftsweise offensichtlich: Die hauptsächliche Ausrichtung des Indikators „Wohlstand“ über das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im Wesentlichen gibt das BIP den Wert aller Güter, also Produkte, Waren und Dienstleistungen an, die in einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres produziert worden sind. Wächst das BIP, wächst der Wohlstand, weil mehr Waren produziert worden sind und daher mehr Lohn ausbezahlt wurde oder insgesamt mehr Geldwert produziert wurde, der nun zur Verfügung steht, so die Annahme. Damit ist aber auch klar: Wächst das BIP, wurden mehr Rohstoffe und mehr Energie verbraucht. Für das Wachstum des BIP ist es vorteilhaft, wenn die produzierten Produkte eine möglichst kurze Lebensdauer haben, denn dann muss dieses Produkt wieder nachgekauft werden, was wiederum das BIP erhöht. Ja sogar Naturkatastrophen, wie eine Überschwemmung oder ein Tornado erhöhen das BIP, weil dann ein Großteil wieder neu aufgebaut werden muss und das – sofern nicht alle inländischen Produktionsstätten zerstört sind, was selten der Fall ist – die inländische Produktion erhöht und die Menschen die Produkte ja dann erwerben müssen. Das fasst auch die Absurdität ganz gut zusammen, warum dieser Faktor sich nicht als Wohlstandsindikator eignet: Es würde doch nicht ernsthaft jemand behaupten wollen, dass jemand einen Wohlstandsgewinn hat, wenn er oder sie ihr Hab und Gut bei einer Überschwemmung verliert und danach sich alles mühsam wieder aufbauen muss – und danach wahrscheinlich sogar verschuldet ist. Aber so funktioniert die Ausrichtung der kapitalistischen Wirtschaft am Bruttoinlandsprodukt.

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Arbeiterkammer Sammelbänder und Studien, Atwood Margaret, Brand Ulrich, Bacci Marco, Buchsteiner J., Chomsky Naomi, Feigl Georg, Felber Christian, Flecker Jörg, Hamann Sabine, Holzbauer Irene, Honneth Axel, Kreiml Thomas, Kuba Sylvia, Kreisky Eva, Leitsmüller Heinz, Marx Karl, Mausfeld Rainer, Milborn Corinna, Misik Robert, Mitter Gernot, Niedermoser Karin, Pelinka Anton, Pick Yussi, Prammer Barbara, Rackete Carola, Streissler-Führer Agnes, Wetzel Detlef u.v.m!

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Nächste Woche veröffentliche ich einen weiteren Artikel! Stay tuned!

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