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Warum die diesjährigen Streiks bei den Metallern alle etwas angehen…

Streik ist in Österreich bekanntlich eine eher exotische Maßnahme des Arbeitskampfes. Das hat historisch mehrere Gründe: In der Nachkriegszeit und unter den Eindrücken des Bürgerkriegs der Zwischenkriegszeit errichteten die damaligen Granden der Interessenvertretung ein System der Sozialpartnerschaft, welches auf Verhandlungen statt auf den Konflikt auf der Straße setzte. Mit Erfolg, wie der überdurchschnittliche anstieg des Wohlstands in breiten Teilen der Gesellschaft zeigte. Doch hier scheint sich seit dem Anbruch des neuen Jahrtausend etwas gedreht zu haben: Der ungezügelte und globalisierte Kapitalismus hebelt weite Teil der Mechanismen aus, welche die Sozialpartnerschaft prägte. Unternehmer und Betriebe lagern sehr häufig entweder die Arbeit an „selbstständige Einzelpersonen-Unternehmen (EPU’s)“ aus oder verschieben weite Teile der Produktion in Billiglohnländer. Eine neue Generation von Managern hält mit neidischen Blick auf die ungezügelten Märkte zb.: in den USA sehr wenig von einem System des Interessenausgleich wie es in Österreich jahrzehntelang praktiziert wurde. Und das merkt man im Umgangston sehr wohl – ob in den Verhandlungen zu den Kollektivverträgen, aber auch in den Betrieben selbst. Betriebsräte haben es immer schwerer ihre Anliegen durchzusetzen. Die Situation rund um Corona – und damit erschwerte Betriebsversammlungen, reduzierter Austausch der Belegschaft untereinander, usw… tun ihr übriges.

Es tut sich was in der AN-Vertretung

In den letzten Jahren scheint sich jedoch die Einstellung auf der Seite der Arbeitnehmer*innen zu drehen: Egal ob bei Konferenzen, Bildungsveranstaltungen, in Gesprächen in den Betrieben oder wenn man Presseaussendungen der Gewerkschaftszentralen durchkämmt: Die Gewerkschaften und ihre Mitglieder wollen diese „Trendwende“ nicht mehr länger einfach so hinnehmen. Sie fordern eine gerechte Beteiligung an der Steigerung der Gewinne, einen Anteil am steigenden Wohlstand und haben absolut kein Verstädniss für die Exzesse der Reichen (Anm.: Jeff Bezos (Amazon), Rene Benkö, Martin Ho, usw…), während die Arbeiterinnen und Arbeiter „die Suppe wieder einmal auslöffeln“ sollen. Die Stimmung in der breiten Masse scheint sich gedreht zu haben und die aktuellen Streiks sind unter anderem eine Reaktion genau darauf: Die Arbeitgeber bieteten 2,75% Lohnerhöhung an – ein Verhöhnung für die Leistung der Beschäftigten, wie die PRO-GE meint. Man bedenke: In den vergangenen 2 Jahren hielten sich die Gewerkschaften sehr zurück bei den Lohnverhandlungen und trugen mit der Zustimmung zur Kurzarbeit dazu bei, dass die Betriebe sehr gut durch die Corona-Krise gekommen sind. Nun sei es jedoch Zeit um dies abzugelten.

Die Zentrale der Metallergewerkschaft bereitet gerade die bundesweiten Streikamaßnahmen vor. ©Stefan Bartl

Streik in mehreren Branchen möglich

Auch im Bereich der Sozialwirtschaft, Pflege oder im Handel hört man die gleichen Töne: Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren fast unmenschliches geleistet und möchten nun dafür belohnt werden. Ein einfaches „Danke und klatschen“ wird nicht reichen. Niemand kann davon seine Miete bezahlen. Und so ist die Metaller-Lohnrunde in dieses Jahr eine besondere und auch wenn die Gewerkschaften selbst dies abstreiten: Der Metaller-KV ist so etwas wie ein „Leit-Kollektivvertrag“ – was sich hier tut hat mittelbare Auswirkungen auf alle anderen Branchen. Deswegen rate ich allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eines: Unterstützt die PRO-GE bei ihren Kampf, auch wenn ihr nicht direkt betroffen seid. Stärkt ihnen den Rücken über Gespräche mit euren Freunden, in der Familie etc… Und wenn ihr einen streikenden Betrieb in der Nähe habt, dann schaut dort doch einfach vorbei, sprecht mit den Beschäftigten oder bringt ihnen Kaffee und Kuchen mit. Erlebte Solidarität kann viel gutes in den Köpfen bewirken!

Gemeinsam geht halt immer mehr!

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